Medien-Akademie Ruhr schult Journalisten mit Einwanderungsgeschichte

Weiterbildungen sollen Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtern

IIbrahima Bah ist Journalist. Geboren ist der 36-Jährige in Dalaba in Guinea. Im Jahr 2014 ist er aus seinem Heimatland geflüchtet. Und lebt seitdem in Deutschland. In Guinea hat er Radio gemacht, in Deutschland arbeitet er als Produktionshelfer für Lager und Logistik. Parallel dazu versucht Bah über Praktika in seinen ursprünglichen Beruf zurückzukehren und trainiert in der Medien-Akademie Ruhr (MAR). Die Erfahrung, dass der Einstieg in die Medienbranche in Deutschland mit vielen Hürden verbunden ist, teilt Ibrahim Bah mit zahlreichen anderen Journalisten mit Einwanderungsgeschichte. Sprachbarrieren, unterschiedliche Strukturen der Medienlandschaften und viele weitere Faktoren erschweren die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt.

Medien-Akademie Ruhr ergänzt Arbeit der Neuen Deutschen Medienmacher

Im Hörfunkstudio der MAR übt Bah das Zuschalten von Korrespondenten und das Berichten über Breaking News. Referent Martin Klostermann (dpa) vermittelt an zwei Tagen, wie Radio-Reporter in schwierigen Situationen souverän berichten. Bah ist einer von sieben Journalisten mit Einwanderungsgeschichte, die sich in der MAR fortbilden. Möglich macht das eine Kooperation mit dem Verein Neue Deutsche Medienmacher e.V., der sich mit einem speziellen Förderprogramm dafür einsetzt, dass sich die Vielfalt Deutschlands auch in der Medienbranche wiederspiegelt. Christina Dohmeier, Ausbildungsredakteurin der MAR, hat auf der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche 2016 den Kontakt zum Verein geknüpft und ein Konzept für die Kooperation erarbeitet.
Im Rahmen des Förderprogramms fungieren erfahrene und gut vernetzte Medienmacher als Mentoren und helfen dabei, als Journalist Fuß zu fassen. Die Medien-Akademie Ruhr ergänzt dieses Angebot durch die Möglichkeit, an Seminaren und Workshops in den Bereichen Print, Online, Hörfunk und TV teilzunehmen.

Teilnehmerin des Förderprogramms wird Volontärin

Auch Thuy-An Nguyen und Zsaklin Diana Macumba besuchen das Reportertraining. Thuy-An Nguyen, deren Familie aus Vietnam kommt, lässt ihre interkulturelle Perspektive in die Berichterstattung einfließen. Sie hat über Integration und Karneval, über Willkommenskultur und Wutbürger geschrieben. Nguyens journalistisches Potenzial hat Christina Dohmeier früh erkannt und ihr geraten, sich für ein Volontariat bei der FUNKE MEDIENGRUPPE zu bewerben. Die Chefredakteure der Funke-NRW-Titel und die Personalentwicklung teilten Dohmeiers Einschätzung. Ab Juli wird Nguyen bei der WAZ volontieren.
Macumba ist im Alter von zehn Jahren nach Deutschland gekommen. „Mit 17 Jahren wusste ich schon, dass ich Journalistin werden will, aber ich hatte Berührungsängste“, erzählt Macumba. Mit ihrem Mentor Tibet Sinha (WDR) kann sie sich austauschen und viele Fragen stellen. Das habe ihr geholfen und sie in ihrem Berufswunsch bestärkt. „Ich habe einen ganz anderen Zugang zu vielen Themen, kann gut die Perspektive wechseln“, sagt Macumba. Auf diese Weise möchte sie die Berichterstattung deutscher Medien bereichern.
Rebecca Roth, Gründungsmitglied der Neuen Deutschen Medienmacher hält die Kooperation mit der MAR für eine wertvolle Ergänzung des Förderprogramms. „Ich freue mich sehr über die Möglichkeiten für die ausgewählten Teilnehmer*innen. Wir haben bislang nur sehr positive und dankbare Rückmeldungen erhalten“, sagt Roth.

Über die Neuen Deutschen Medienmacher

Die Neuen deutschen Medienmacher sind ein gemeinnütziger Verein mit 250 Mitgliedern und mehr als 1100 Netzwerkern und Netzwerkerinnen. Seit 2009 setzen sich die Neuen deutschen Medienmacher mit zahlreichen praxisnahen Projekten für mehr Vielfalt in den Medien ein. Sie arbeiten als einziges journalistisches Netzwerk an der Schnittstelle „Medien und Migration“ und sind gefragter Ansprechpartner, nicht nur für Redaktionen, sondern auch für öffentliche und private Einrichtungen, Behörden, Institute, Unternehmen, Universitäten.

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